Oki Sato
FADING OUT
Ausgabe 04/2010Ralf F. Broekman und Olaf Winkler im Gespräch mit Oki Sato
Oki Sato, Sie haben Architektur studiert, arbeiten aber auf sehr verschiedenen Ebenen – insbesondere im Möbel- und Produktdesign, zugleich bis hin zu Innenräumen und ganzen Häusern. Gibt es so etwas wie eine allgemeine, verbindende Philosophie?
Der Begriff „Nendo“ bedeutet auf Japanisch freigeformter Lehm. Wir haben uns „Nendo“ genannt, weil wir jedes Projekt frei und flexibel gestalten möchten. Ich habe sechs Jahre Architektur studiert. Als ich die Design-Welt nach meinem Abschluss beobachtete, war ich überrascht, weil viele Designer und Architekten Gestaltung mit so viel Freizügigkeit betrachteten. Darum haben wir 2002 Nendo gegründet.
Ihre Entwürfe für viele bekannte Möbelhersteller verbinden überraschende Lösungen mit sehr klaren, fast minimalistischen Formen. Wäre es falsch, einige besonders japanische Einflüsse in Ihrer Arbeit zu sehen? Was sind die wesentlichen Inspirationen für Ihre Arbeit?
Was einen japanischen Einfluss angeht, da bin ich nicht sicher. Ich wurde in Kanada geboren und wuchs dort bis zu meinem elften Lebensjahr auf. Meine Inspiration erhalte ich immer aus dem Alltag. Sie sollte eine Beziehung zu meinem Umfeld haben.
Einige Ihrer Entwürfe wie der „Fadeout-Chair“, dessen Beine sich scheinbar allmählich auflösen, spielen mit Dematerialisierung. Welchen Stellenwert hat Materialität für Ihre Entwürfe?
Das Konzept – die Geschichte hinter dem Design – ist der wichtigste Aspekt für unsere Entwürfe.
Gegenwärtig sind Ikonografie und schnell verständliche Originalität wichtige Kriterien für eine Reihe neuer Produkte. Berücksichtigen Sie diese Aspekte?
Nein. Wenn das Konzept originell ist, ist es, denken wir, nicht erforderlich, dass die Form originell ist.
Wie differenzieren Sie zwischen Produkten für die Massenproduktion und solchen, die in kleinen Mengen oder als Einzelstück gefertigt werden? Gibt es für den Designer dabei verschiedene Grade von Freiheit und Zufriedenheit oder Erfolg?
Wir gestalten jedes Produkt, indem wir dem gleichen Prozess, der gleichen Denkweise folgen. Das Konzept ist immer das Wichtigste. Jedes Detail folgt dem Konzept.
Wie wichtig ist ein räumliches Verständnis für das Entwerfen von Möbeln? Denken Sie während des Entwerfens Ihre Objekte als Teil einer größeren Umgebung oder eines alltäglichen Raums?
Wenn man sich auf das Konzept des Möbelstücks konzentriert, sind die Besonderheiten des Raums kein großes Problem. Manchmal wählt ein Möbelstück den Ort, an dem es aufgestellt wird, den Ort, nach dem es verlangt.
Denken Sie, dass die Gestaltung von Räumen – Wohngebäude, Hotels, Büros, Bars – und das Entwerfen der Objekte darin zunehmend eins werden? Wird der Trend zur Gesamtgestaltung ein wesentliches Merkmal der Zukunft sein?
Ja. Für uns Designer ist es leichter, die beabsichtigte Botschaft zu vermitteln, wenn wir die Möglichkeit haben, ein Projekt als Ganzes zu gestalten.
Oki Sato, geboren 1977 in Toronto, studierte Architektur an der Waseda University, Tokio. 2002 eröffnete er, ebenfalls in Tokio, sein Studio Nendo; 2005 folgte eine Niederlassung in Mailand. Bekannt wurde Nendo vor allem mit Objekten und Möbeln für führende Hersteller weltweit, zu den Arbeiten des Studios zählen aber auch Interiors wie für Issey Miyake, Ausstellungskonzeptionen und Häuser. Oki Sato lehrt an verschiedenen Hochschulen; die Arbeiten von Nendo sind in internationalen Sammlungen wie im Museum of Modern Art in New York, im Musée des Arts Decoratifs, Paris, und im Design Museum Holon in Israel vertreten.
www.nendo.jp











