Bobby Dekeyser

Dekeyser
tl_files/build/interview/10_3/bobby_dekeyser.jpgGESCHICHTEN ERZÄHLEN
Ausgabe 03/2010
Ralf F. Broekman und Leif Hallerbach im Gespräch mit Bobby Dekeyser


Bobby Dekeyser, bevor Sie begannen, mit Dedon Luxus-Outdoor-Möbel zu produzieren, waren Sie als Profifußballer tätig. Gibt es Erfahrungen, Strategien aus dem Bereich des Profisports, die Sie im Hinblick auf Ihr unternehmerisches Denken und Handeln beeinflusst haben?
Meine Intention bei der Unternehmensgründung war es, einen Rahmen zu schaffen, um Menschen zusammenzubringen. Ich bin offen für sehr vieles und lerne ständig neue Leute kennen. Das Unternehmen verstehe ich daher als eine Plattform für die gemeinsame Umsetzung von Ideen. Dieses Miteinander hat mir im Fußball oft gefehlt, obwohl das ja eigentlich ein Mannschaftssport ist. Allerdings hatte ich als ehemaliger Profifußballer den großen Vorteil, dass ich den Verdienst aus dieser Zeit nutzen konnte. Ich war nie einer Bank verpflichtet und konnte daher durchhalten, als normalerweise Schluss gewesen wäre. Denn die Idee, bei Möbeln Rattan durch Kunststoff zu ersetzen, kam bei der Gründung von Dedon zehn Jahre zu früh. Kunststoff hatte damals ein negatives Image. Erst in Asien habe ich über die dortige Tradition des Flechthandwerks die Inspiration bekommen, die für die weitere Produktentwicklung nötig war.

Wie würden Sie den Markenkern, die Markenphilosophie von Dedon beschreiben?
Der Outdoor-Aspekt war für mich von Anfang an entscheidend, ich bin jemand, der gerne draußen ist. Ich habe nirgends ein Büro und bin immer unterwegs. Die ursprüngliche Idee hinter Dedon war, einen „Outdoor-Livingroom“ zu schaffen. Es ging mir darum, den Rahmen für ein gemütliches Zusammensein im Freien zu bieten. Grundsätzlich suchen ja heute alle neue Erlebnisse. Die Konsumwelt, der alte Luxus hat ausgedient. Man möchte Produkte von Herstellern kaufen, die Geschichten zu erzählen haben. Das ist ja der einzige Grund, warum man sich noch etwas leistet.

Reicht es angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage noch, eine starke Marke zu sein?
Ich denke, diejenigen Unternehmen, die mit Herzblut dabei sind und viel investieren, werden jetzt stärker werden. Aufgrund der derzeitigen Krise mussten ja bereits viele aufgeben und es ist zu einer Marktbereinigung gekommen. Das hat auch damit zu tun, dass in den letzten Jahren der Eindruck entstanden ist, alles wäre auch für den halben Preis zu haben. Objekte, wie wir sie herstellen, kann man aber nicht ganz billig produzieren. Wenn Sie gerade auch in der Möbelbranche schauen, unter welchen Produktionsbedingungen die Billigpreise zum Beispiel in Asien zustande kommen, dann ist das menschenunwürdig. Und jeder wird im Preis gedrückt, nur damit die Margen kleiner und die Mengen größer werden. Das ist dumm, denn indem sich alle gegenseitig unterbieten, machen sie sich selbst kaputt.

Die Kollektionen von Dedon werden von bekannten Designern entworfen. Wie wählen Sie die Entwerfer aus, mit denen Sie zusammenarbeiten? Geht es dabei vor allem um große Namen oder steht eine bestimmte Entwurfshaltung im Vordergrund?
Es geht mir nicht darum, große Namen einzukaufen, sondern darum, langfristige Beziehungen aufzubauen. Eine Zusammenarbeit kann nur funktionieren, wenn der Hintergrund stimmt. Wir suchen daher Entwerfer nach persönlicher Sympathie aus. Es muss menschlich passen, sonst braucht man gar nicht erst anzufangen. Die Designer, mit denen wir schon länger zusammenarbeiten, sind uns mittlerweile freundschaftlich verbunden. Die Produktideen entstehen oft nicht aus einem Briefing, sondern aus entspannten Gesprächen, zum Beispiel bei einem Glas Rotwein. Große Namen können auch gefährlich sein.

Dennoch haben Sie für Ihre aktuelle Kollektion mit Philippe Starck zusammengearbeitet – einem der international bekanntesten Designer.
Philippe Starck hatte eine Idee, wie man das Handwerkliche mit dem Maschinellen verbinden kann. Das eröffnet uns völlig neue Welten – nicht nur in Bezug auf Möbel und Flechtfasern, sondern auch im Hinblick auf andere Objekte und Materialien. Allerdings wollen wir nicht zu schnell Produkte auf den Markt bringen, mit denen wir uns nicht auskennen. Vom Rohmaterial bis zur Fertigung machen wir alles aus eigener Hand. Daher suchen wir nicht leichtsinnig irgendwelche Produzenten, nur um schnell etwas zu machen. Wir möchten Kooperationen mit den besten der Branchen eingehen, zum Beispiel mit Flos, mit denen wir eine neue Leuchtenkollektion entwickelt haben. Philippe Starck hat mit diesen Herstellern schon langjährige Erfahrungen. Wir werden sicher auch mal mit jungen Designern zusammenarbeiten, von denen wir jetzt schon zahlreiche Vorschläge bekommen. Es sind viele gute Ideen dabei, die wir aber zurzeit entwicklungs- und vertriebstechnisch nicht umsetzen können.

In Ihrem Unternehmen scheinen Sie ein geradezu familiäres Miteinander zu pflegen. Vor dem Hintergrund des schnellen Wachstums von Dedon und der derzeitigen wirtschaftlichen Situation: Lässt sich eine solche Unternehmenskultur noch aufrechterhalten?
Jetzt erst recht. Vor drei Jahren hatten wir große Wachstumsraten und ich habe einen Teil des Unternehmens an amerikanische Investoren verkauft. Danach habe ich mich zunächst ganz aus dem Unternehmen zurückgezogen. Als es 2008 die Krise in der Möbelbranche gab, wurden die Investoren unruhig und wollten Einsparungen vornehmen. Ich wollte genau das Gegenteil. Meine Freunde und Familienangehörige arbeiteten im Unternehmen und ich konnte die Einsparungen nicht akzeptieren. Deshalb habe ich die Anteile komplett zurückgekauft. Das war auch der Frust über die Entwicklung des Unternehmens: Denn nach dem Verkauf hat es sich mehr und mehr verändert; es wurde „kühler“, steril und elitär, was sich zum Beispiel auch in den Anzeigenmotiven widerspiegelte. Das hatte nichts mehr damit zu tun, wie wir groß geworden sind: mit dem Erzählen von Geschichten, mit Erleben und Teilen. Ich wollte wieder mehr Menschlichkeit einbringen und der Firma einen Energieschub geben. Ideen, auch verrückte Ideen, müssen unser Motor sein. Man braucht immer ein Abenteuer. Das hat der Firma in den letzten drei Jahren gefehlt. Alle waren extrem fleißig und zuverlässig, aber es hat eine verrückte Idee gefehlt, die alle vereint und die Spaß macht.

Für Ihre aktuelle Kampagne haben Sie mit dem Modefotografen Bruce Weber zusammengearbeitet. Ist das ein Resultat des  Imagewandels? Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Mir ist es wichtig, Atmosphären zu schaffen und diese glaubwürdig zu vermitteln. Wir kamen auf Bruce Weber, weil er meiner Meinung nach der einzige Fotograf aus der Modebranche ist, der das, was wir vermitteln wollen, menschlich und warmherzig rüberbringen kann. Wir haben ihn in New York kontaktiert und er war aus zwei Gründen sofort begeistert: Sein Großvater war Möbelbauer, und er hat sich immer für Möbel interessiert, aber vorher nie für diese Branche gearbeitet. Außerdem war er von der Möglichkeit fasziniert, ein Baumhaus für die Kampagne in Szene zu setzen. Es gab kein Briefing und er hat das Shooting in einem amerikanischen Nationalpark mit einem Team von 60 Leuten realisiert. Wir haben uns dabei angefreundet und das hat eine große Tiefe bekommen.

Als Privatperson haben Sie eine Stiftung für junge Menschen gegründet. Welches Ziel verfolgen Sie damit und wie ist die Stiftung strukturiert?
Es geht darum, Erfahrungen weiterzugeben. Die Stiftung hat „Freunde“, die uns ihre Zeit und ihr Know-how schenken und mit Jugendlichen Projekte realisieren. Auf unserer Internetseite werden Jugendliche eingeladen, sich für diese Projekte zu bewerben, die für alle offen sind. Es geht darum, Erfahrungen im sportlichen, sozialen oder kulturellen Bereich zu sammeln. Wir bauen zum Beispiel zurzeit auf den Philippinen ein Dorf für ärmere Menschen. Nach solchen Projekten sind die Jugendlichen sehr inspiriert, mit den dabei gesammelten Erfahrungen etwas Eigenes zu tun. Wir unterstützen sie dabei mit Spenden oder einem zinslosen Kredit. So können sie die Erfahrungen, die sie bei uns gemacht haben, in weiteren Projekten umsetzen und ihren eigenen Ideen treu bleiben. Wenn Dedon weiter wächst, soll ein Teil des Gewinns in die Stiftung fließen.

Welches Entwicklungspotential sehen Sie bei Dedon?
Das sehe ich grenzenlos. Es gibt zurzeit eine große Sehnsucht nach der Natur, nach dem Draußen. Bei uns geht daher die Entwicklung über die Outdoor-Möbel hinaus. Wir haben bereits Ideen für Sportgeräte und für Mode. Im Südosten der Philippinen gestalten wir gerade eine Insel in traumhafter Lage zu einem magischen Ort. Das wird ein Ressort von Dedon, das sich über ein eigenes Reisebüro buchen lässt. Es soll der Start für ähnliche Planungen werden. Wir suchen dafür besondere, kleine Orte, die von Unternehmen oder auch privat gebucht werden können – eine Lodge, ein Chalet oder ein City-Hotel. Dabei geht es nicht ums reine Konsumieren, sondern um das Erlebnis; es soll jeweils sehr lebendig werden, gewissermaßen wie eine exklusive Jugendherberge. Wir möchten Leute zusammenbringen und sie inspirieren.

Bobby Dekeyser war Profifußballer unter anderem beim FC Bayern München. Nach Beendigung seiner Fußballkarriere gründete er 1990 den Outdoor-Möbel-Hersteller Dedon.
www.dedon.de
www.dekeyserandfriends.org


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