The Morning Line

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Die gleichnamige Klanginstallation von Matthew Ritchie und Aranda\Lasch ist ein Beitrag von Thyssen-Bornemisza Art Contemporary zum Kunstprogramm von Istanbul als europäische Kulturhauptstadt 2010. Der acht Meter hohe und 20 Meter lange Pavillon, errichtet aus 17 Tonnen schwarz beschichtetem Aluminium, ist ein interdisziplinäres Projekt, welches das Wechselspiel von Kunst, Architektur, Musik, Mathematik, Kosmologie und Wissenschaft erforscht. Entwickelt über einen Zeitraum von drei Jahren, stellt „The Morning Line“ die architektonischen Konventionen auf die Probe: Ein Team von Mitarbeitern entwickelte das erste semasiographische Gebäude, eine non-lineare architektonische Sprache, die auf fraktaler Geometrie und parametrischem Design basiert und seinen Inhalt durch seine visuelle Erscheinung ausdrückt. Die Entwicklung einer architektonischen Sprache, die Geometrie und künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten strukturell auf gleicher Ebene zu verbinden, ist eines der Hauptanliegen der Installation. Um das zu erreichen, entwickelten die New Yorker Architekten Aranda\Lasch in Zusammenarbeit mit Arup AGU ein Konstruktionselement, dessen Form von einem angeschnittenem Tetraeder abgeleitet wurde. Es kann zu jeder Größe skaliert werden und lässt sich unendlich multiplizieren und modular zusammensetzen. So kann die kristalline Struktur der „Morning Line“ in unendlich vielfältigen Kombinationen neu konfiguriert werden.

Neben der charakteristischen architektonischen Eigenschaften des Pavillons wurde von Ritchie seine klangliche Identität (sonic identity) in der Tradition der experimentellen Klangräume von Iannis Xenakis und Le Corbusier oder Fritz Bornemann's Expo'70 Pavillon festgelegt. Um diese klangliche Raumgebung zu erzielen, ist „The Morning Line“ ist mit einem Lautsprechersystem ausgestattet, das eine eigens vom Music Research Centre der Universität York entwickelte Software verwendet. Der Umfang der Struktur und die neue Spatialisationssoftware erforderten schließlich eine neue Art von Musik, die speziell für dieses Instrument geschrieben und erdacht ist.

Thyssen-Bornemisza Art Contemporary lud eine internationale Gruppe von Komponisten ein, um dieses musikalische Forum für Experimente zu öffnen, wobei die gewählten Ansätze und Ausgangspunkte der Arbeiten ganz verschieden sein können: Manche Komponisten gehen auf das künstlerische Konzept ein und entwickeln ein Programm von sich überlappenden Scores, die die fraktale Struktur musikalisch übersetzen und sehr direkt die komplexen Narrative aufgreifen. Andere begreifen die Struktur als autonome Form eines performativen Raums und schaffen autarke Werke, die als solche im Raum verbreitet werden.

Die zehn neuen Kompositionen werden im Rahmen des The Morning Line Festival für zeitgenössische Musik vom 23. bis zum 25. Mai uraufgeführt. Für die Präsentation in Istanbul wurden die Sound-Künstler Jana Winderen, Carl Michael von Hausswolff, Yasunao Tone und Peter Zinovieff von Gastkurator Russell Haswell eingeladen, neue akustische Werke zu komponieren. Außerdem gibt es zwei neue Werke von Ghostigital und Jónsi & Alex.


The Morning Line
Klangskulptur in Istanbul

www.tba21.org

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