The Diversity of Beauty

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Im Design liegen schön und gut noch beieinander. Die Kunst vermag nur schön zu sein, oder auch nur gut, letzteres können sich auch Ingenieure in einigen Bereichen noch leisten. Doch es ist festzustellen: „Ingenieurskunst“, die „Design“ einbezieht, ist ganz im Sinne Raymond Loewys Maxime „Hässlichkeit verkauft sich schlecht“ erfolgreicher; die freien Künste nähern sich den angewandten, und sei es nur, um nicht lediglich museal und elitär zu sein. Und das Design? Es nähert sich der Kunst, wie am Erfolg der kürzlich veranstalteten DesignMiami Basel festzustellen.

„Design makes the world go round“ – Produkt- und Markendesign sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren in einer Welt der fast unbegrenzten Möglichkeiten, sie schaffen die Objekte und die Bilder, die für unsere Kultur stehen. Design erfüllt unsere konsumatorischen Wünsche. Und wir verlangen nach Schönem (warum sollten wir auch nach Hässlichem suchen) und Gutem (warum sollten wir uns mit Schlechtem abgeben). Für das Gute im Design kennen wir viele Definitionen, von der „guten Form“ bis zum „unsichtbaren Design“, die Funktionen sind durchaus fassbar. Doch wie ist das mit der Ästhetik? Wann ist ein Gebrauchsgegenstand schön? Und wann ist das Schöne ein Wesenszug? Schönheit ist nicht absolut, unsere Schönheitsideale wandeln sich ständig.

Doch gibt es Schönheit, die Zeiten und Kulturen überdauert; einen Sonnenuntergang, eine Rose, eine Heldentat werden fast alle Menschen als schön beurteilen, doch ein Kunstwerk oder gar ein Alltagsobjekt? Schönheit ist abhängig von Werten und Ansichtssache. Wir wissen dennoch, es gibt auch sie, die Gebrauchsobjekte, deren Schönheit die Zeit überdauert, die einfachen, die ihre Form selbst finden, die Dinge, deren Wirklichkeit wir spüren, die mit uns sind und mit uns verwachsen, und auch diejenigen, deren Gestalt schön bleibt, auch wenn sie in ihrer Funktion schon lange überholt sind.

Die spürbare Beschleunigung der weltweiten Verbreitung von Ideen, Bildern und Produkten führt auch zu zunehmend kürzeren Zyklen. Wir können immer schneller immer mehr von dem sehen und nutzen, was in der Welt produziert wird. Und wir werden immer mehr parallel gültige Schönheiten von großem Unterschied finden. Einige Beispiele nur aus unserem Kulturkreis zeigen diese Diversität der Schönheit. Die Schönheit der Maschine: Unsere neueste Körpererweiterung ist das iPad – wie häufig bei Produkten von Apple einfach besser (weil adaptiv) und vor allem schöner: Materialien, Verarbeitung, Linienführung, Volumen, Oberflächen... Oder die Schönheit der Transformation: An einigen wunderbaren Orten bildet das Wasser Terrassen. Die römischen Brunnenbauer des Barock haben diese Werke der Natur in die Kunst und die Sprache ihrer Zeit übertragen, die Brüder Bouroullec übertragen das Prinzip für Axor in unsere Zeit, funktional, fein, elegant und mit einem Anklang an Bilder in uns.

Die Schönheit der Poesie: „Lacrime del Pescatore“, die Tränen des Fischers haben sich im Netz verfangen – Ingo Maurer hat einmal mehr eine Leuchte geschaffen, deren Anblick es vermag, Saiten in uns zum Klingen zu bringen. Die eigentümliche Schönheit: Nika Zupancs Objekte wecken Bilder, aus der Vergangenheit oder aus einer Märchenwelt. Sie erzählen Geschichten, ohne banal zu sein, wirken vertraut und fremd zugleich. Die Naturschönheit: Sie trägt heute meist keine selbstgestrickten Socken mehr, sondern zeigt sich weltoffen und modern, elegant und klar, siehe beispielsweise den Sessel „Eugene“ für e15 von Stefan Diez.

Die Schönheit der Form: Welche Formen sind schön? Formen, die die Natur hervorbringt, sowieso, sie sind Teil von uns. Formen, die sich an diese anlehnen, versuchen, sie abzubilden, nachzuahmen oder zu verbessern? Oder Formen, die sich davon lösen, künstlich sein wollen, geometrisch abstrakt, reines Menschenwerk? Ross Lovegroves Leuchte „Andromeda“ für Yamagiwa bezieht Position. Die Schönheit des Materials: In der Materie ist das Wesen jedes Objekts, sie ist wirklich. Und dort, wo das Material nicht verbogen wird, sondern auf besondere Weise triumphiert, zeigt sich diese tiefe Schönheit. Zwei unterschiedliche Beispiele für diese These: Konstantin Grcics Tisch „Blow“, mit der italienischen Glasmanufaktur Venini und Established & Sons entwickelt, lässt uns die Schönheit mundgeblasenen Glases wieder erfahren, die gedruckten Leuchten von MGX materialisieren digitale Codes in Schönheit.

Schönheitsoperationen: Design yourself – längst ist es üblich geworden, den eigenen Körper in Formen zu bringen, die unseren Vorstellungen von uns selbst gerecht werden. Meist sind diese Eingriffe nicht mehr als kosmetisch, aber sie decken das Wesen auf. Maarten Baas lässt den Monoblock-Stuhl in Holz schnitzen und deckt so die große Absurdität dieses erfolgreichsten je produzierten Stuhls auf, und zugleich gelingt es ihm, Schönheit freizulegen, wo sie niemand vermutet hat. Und Werner Aisslinger hat die Zeichen der Zeit erkannt: Vor einigen Jahren war der vom Hubschrauber von Ort zu Ort geflogene „Loftcube“ in weißem Kunststoff der Schönste, heute kommt der Cube als bodenständiges Holzhaus daher, und wieder ist er der Schönste.

Die Schönheit des Kontexts: Das von Rolf Sachs in Basel bei der Galerie Ammann gezeigte Objekt „Alone in a Crowd“ verwischt die Grenzen zwischen Kunst und Design. Ist es Tisch oder Vitrine? Auf sehr leichte Art sind Maßstäbe, Inhalte und Funktionen verschoben, Schönheit durch Verfremdung. Die Schönheit der Medien: Die digitalen Medien werden häuslich. Dabei entfalten sie ihre immanente Schönheit des technischen Heilsversprechens. Drei von vier Preisträgern des „Designer of the Future Award“, der auf der DesignMiami verliehen wurde, arbeiten an der Integration von neuen Technologien und Produkten des Alltags mit Ergebnissen, die große Faszination ausüben – Beta Tank, rAndom International und Zigelbaum & Coelho. Die Schönheit der Provokation: Julia Lohmanns Arbeiten sind Naturschönheiten, sie sind aus natürlichen Materialien gemacht und zeigen die ganze Schönheit ihres Ursprungs. Sie spielen mit der Spannung zwischen Erscheinung, Funktion und Herkunft des Materials – Schimmelpilzkulturen, Tiergedärmen, Knochen, Kadavern. Die Provokation der Konvention mutiert zur Hymne an die Ambivalenz der Schönheit.

Ein Beitrag von Ulrich Nether

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