Serpentine Gallery Pavilion 2010 von Jean Nouvel in London

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Jedes Jahr bedeutet die Bekanntgabe des Architekten, der diesmal für den Serpentine Pavilion in London verantwortlich zeichnet, vor allem eines: die Überraschung, wer unter den „Stararchitekten“ die Kriterien dafür erfüllt. Die nämlich schließen ein, dass der Ausgewählte bis dato noch kein Gebäude im Vereinigten Königreich fertig stellen konnte – was diesmal gerade noch geklappt hat: Mit Jean Nouvel ist ein führender Kopf der Architektur an der Reihe, der in der Tat gerade auf den Abschluss seines ersten, gleich sehr großen Projektes in England zusteuert. So entsteht just neben St. Paul’s Cathedral derzeit eine mächtige Büro- und Einkaufsarchitektur, deren Volumen und Erscheinung bereits vollständig ablesbar sind. Der um den Jahreswechsel anberaumten Eröffnung kommt nun also am anderen Ende des typologischen Spektrums ein Bauwerk zuvor, dass durch seine geringe Größe und durch Vergänglichkeit gekennzeichnet wird. Was jedoch keinesfalls mit Schüchternheit gleichzusetzen ist: Nach dem zarten, fast nur aus einem spiegelnden, sich visuell geradezu auflösenden Dach bestehenden Pavillon des Vorjahres von SANAA wartet Nouvel mit einem betont kraftvollen Entwurf auf. Die Konstruktion besteht aus Kunststoff, Glas, Stoff, Metall, aus manchem Winkel freundlich, aus anderen scharfkantig bis aggressiv anmutend, einschließlich einer steil aufragenden, zwölf Meter hohen Wand.

Im Inneren finden derweil Tätigkeiten statt, die nur zum Teil – auf ihre Weise – der Konfrontation gewidmet sind: Dazu zählen unter anderem die üblichen diskursiven Zusammenkünfte, aber eben einfach auch der entspannende, geruhsame Aufenthalt, für den Hängematten angeboten werden. Hinzu kommen rund um den Pavillon Tischtennisplatten, Frisbeescheiben, weiteres sportliches Gerät, alles in jenem Feuerwehrrot, das den Bau im Ganzen bestimmt. Assoziationen zu Bernard Tschumis Follies im Park La Villette drängen sich selbstverständlich auf, die Farbe im kräftigen Kontrast zum üppigen Grün umher soll sich indes auch von der Färbung vieler öffentlicher Elemente in England – Bussen, Briefkästen – ableiten. Das allerdings muss man gar nicht wissen, um in dem von Farbe gleichsam getränkten Inneren des diesjährigen Serpentine Pavilions Platz zu nehmen. Der vielleicht auffallendste Pavillon der letzten Jahre eröffnete Anfang Juli und ist noch bis zum 17. Oktober zugänglich.

www.serpentinegallery.org
www.jeannouvel.com

Abbildungen:
Serpentine Gallery Pavilion 2010

Designed by Jean Nouvel

© Ateliers Jean Nouvel

Photograph: Philippe Ruault

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