Gerichtsgebäude in St. Pölten

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Justitia in Gold: Die österreichischen Architekten Christian Kronaus + Erhard An-He Kinzelbach haben in Sankt Pölten ein ungewöhnliches Justizgebäude realisiert. Das Projekt ging aus einem offenen Wettbewerb, den die Architekten gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Vasko+Partner für sich entscheiden konnten, hervor. Die Aufgabenstellung umfasste einen neu zu entwickelnden Anbau zum Gerichtsgebäude Sankt Pölten sowie die Gestaltung eines repräsentativen Vorplatzes vor dem historischen Baubestand mit darunter liegender Tiefgarage. Städtebaulich schließt der neue Anbau die Lücke zwischen altem Gerichtsgebäude und der angrenzenden Justizanstalt in Form einer zeitgenössischen Architektur, die einerseits selbstbewusst und eigenständig als Solitär nach außen wahrnehmbar ist, zugleich jedoch den historischen Kontext respektieren und zwischen moderner und historischer Formensprache vermitteln will. Die drei Geschosse des Altbaus werden bei gleichbleibender Traufenhöhe barrierefrei mit dem neuen fünfgeschossigen Baukörper verknüpft, in dem in erster Linie Büroräume für das Oberlandesgericht, die Staatsanwaltschaft und das Bezirksgericht untergebracht werden. Der Platz direkt vor dem bestehenden Gebäude wird zu einem urbanen Platz mit Aufenthaltsqualitäten und angegliederter Tiefgarage.

Auffallend beim Projekt ist insbesondere das Äußere mit seinen ungewohnten Fensterverteilung und der gerade für ein Justizgebäude überraschenden Farbgebung. Dazu erklären die Architekten: „Beim Nebeneinander zwischen Alt und Neu kommt der Fassade und ihrem Material als Schnittstelle zwischen Innen und Außen, zwischen Gebäude und Stadt eine Schlüsselrolle im Umgang mit den Dichotomien zwischen Tabula Rasa und kontextueller Einbindung, dem Monolithischen und dem Differenzierten, dem Singulären und dem Multiplen zu. Die Fassade löst, materialisiert durch die Ausformulierung der Fenster und der horizontalen Schattenfugen, mit ihrer perforierten und linierten Struktur die Diskrepanz zwischen den Geschosszahlen beider Baukörper auf und reguliert den Masstab des flächenmaximierten Baukörpers. Ihre Außenhaut ist ein selbstbewusstes Signal, das aus der Symbiose zweier Systeme, einer Bandstruktur und einer Perforation, resultiert. Eingehüllt in TECU-Gold folgt die Fassade einer horizontalen Bandstruktur, die einer Überlagerung vorgefundener Altbau-Fugen mit Fugen als Folge der neuen Geschossigkeit entspringt. Zusätzlich ist sie durch die unregelmäßig gestreuten und auf zwei Formate beschränkten Öffneungen perforiert. Gewissermaßen wird dem Neubau damit eine Maske aufgesetzt, die einen optimalen Bezug zum Bestand herstellt und gleichzeitig der Organisation des Neubaus alle Optionen belässt. Innen dient die Lochung einer Vervielfältigung der Ausblicke und Belichtungssituationen durch Auflösung des konventionellen Fensterformats in drei Teiltypen: das Oberlicht, den Öffnungsflügel auf üblicher Parapethöhe, und das Unterlicht. Die Wahl der goldenen Kupfer-Aluminium-Fassade unterstützt ganz wesentlich den architektonischen Dialog beider Baukörper. Das Material ermöglicht es, den vorherrschenden Gelbton der Bestandsgebäude aufzunehmen und zu interpretieren, ohne ihn nur zu reproduzieren.“

Insgesamt, so die Architekten, nehme das neue Gebäude die Eigenschaften des historischen auf, ohne jedoch auf eine eigenständige, unverwechselbare und zeitgemäße Artikulation zu verzichten. „Durch den dem Material eigenen Glanz erhält das Gebäude einen angenehmen und warmen Charakter, der sich im tagesrhythmischen und auch jahreszeitlichen Wechsel der Lichtverhältnisse kontinuierlich verändert und so das Gebäude buchstäblich zum Leben erweckt.“

www.kronaus-kinzelbach.com

 
Fotos: Thomas Ott (www.o2t.de)

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