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Editorial

Die Suche nach dem Schönen ist allgegenwärtig. Es gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen, Schönheit zu empfinden und, wenn möglich, herzustellen. Dem entsprechen die mannigfaltigen Bestrebungen, konsensfähige Schönheitsideale zu postulieren sowie Schönheit als objektivierbar und messbar zu begreifen. Das seit der Moderne in der Architektur bis auf wenige Ausnahmen gültige Tabu, mit dem Begriff der Schönheit zu argumentieren, entspricht einem offensichtlichen Mangel – nicht nur, weil vermeintlich oberflächliche Affekte nicht mehr bedient werden, sondern weil dieses Nicht-Bedienen einem basalen Missverständnis gegenüber der Ganzheit unserer Wahrnehmungen und sozialen Bedürfnisse entspricht. Der Begriff der Schönheit ist jenseits des fachinternen Diskurses, der allerdings durch neue Sozialisationsbedingungen und sich verändernde Selbstverständnisse zunehmend perforiert wird, nicht nur präsenter als jemals zuvor in den letzten 100 Jahren, sondern angesichts der Vielfalt kultureller und gesellschaftlicher Einflüsse, Überlagerungen und widersprüchlicher Gleichzeitigkeiten spannender und konfliktreicher zugleich.

Im einleitenden Beitrag zu dieser Ausgabe legt Bazon Brock die historischen Linien von Schönheit dar, bis hin zur Abkoppelung der Ästhetik von Fragen derselben, um zum Begriff der Kommunikation zu gelangen, der nicht mehr der einigenden Vereinbarung auch darüber, was Schönheit sei, bedarf. Mit David Adjaye sprechen wir über die Relation von Ästhetik, Ethik und Prozess sowie über Widersprüche in Biografie und Werk. Christoph Mäckler plädiert vor dem Hintergrund eines historischen Verständnisses von Baukunst für eine zeitlose, nicht-modische Architektur, bei der objektivierbare Schönheit zugleich als Kriterium von Stadt benannt wird. Das Historische als Referenz kehrt derweil auf ganz verschiedene Weisen in den folgenden Gesprächen wieder – in jenem mit Antonino Cardillo, dessen von Licht und Skulpturalität geprägte Bauten unter anderem auf seiner sizilianischen Herkunft gründen, sowie bei Jaime Hayon, der als Kern seiner oppulent sinnlichen Objekte und Interiors die Verbindung von Tradition, Vorstellung und Handwerklichkeit nennt.

Das Feld der Fotografie spannen mit Miles Aldridge und Alice Springs zwei international renommierte Künstler auf, die sowohl zwei Generationen als auch verschiedene Auffassungen visueller Erkundung vertreten: hier eine gewissermaßen hochglänzende, zuweilen surreal anmutende Bildersprache, dort eine eher das Auratische erspürende Balance von Distanz und Intimität. Inwieweit sich die freien, einstmals wenigstens in Teilen als schön bezeichneten Künste gewandelt haben, wo sie als explizit politische (und das Ästhetische in dieses Politische einbindende) begriffen werden, zeigt sich demgegenüber in den Ausführungen des jungen Kurators Felix Vogel. Das Gespräch mit Oki Sato und die Arbeiten seines Büros Nendo schließlich kehren zu einer unmittelbarer sinnlichen Entwurfssprache zurück, die über ihre hohe Konzeptualität zugleich ohne die vorausgegangenen Entwicklungen der Moderne kaum denkbar erscheint.

Ralf Ferdinand Broekman